Was haben Rätsel mit Bildung zu tun?#
Warst Du schonmal in einem Escape Room? Wenn nein, dann wird es Zeit. Wenn ja, dann kannst Du Dich sicher noch an das Gefühl erinnern, wie Du unter Zeitdruck verzweifelt versucht hast die Lösung des Rätsels zu finden. Und an das euphorische Gefühl, wenn am Ende das Schloss aufgeht oder die Tür sich mit einem lauten “Klick” öffnet.
Das Lösen von Rätseln steckt tief in unserer DNA. Unser Körper schüttet dabei Dopamin aus, was wiederum dazu führt, dass wir motivierter sind [3] und uns Dinge besser merken können [1]. Ausserdem ist bewiesen, dass Lernstoff der in einer interaktiven Geschichte (Handlung) eingebettet ist viel effektiver ist, als abstraktes Lernen [4].
Ich unterrichte selbst an der Technischen Berufsschule in Zürich und habe Einiges ausprobiert, um diesen Effekt auszunutzen. Von Kahoot bis zu Minecraft Education. Aber entweder sind die Aufgaben sehr monoton (Multiple Choice) oder man läuft mehr in der 3D-Welt umher, als dass man wirklich sein Gehirn anstrengen muss.
Vor eineinhalb Jahren ist dann die Idee für Micro Adventures entstanden. Und seitdem arbeite ich hart daran, dass die Idee für möglichst viele Lernende und Lehrpersonen im Unterricht nutzbar wird.
Micro Adventures#
https://adventures.vonlangerhand.net
Das Grundprinzip:
- Eine einfache und intuitive Benutzeroberfläche, mit der alle nötigen Aktionen abgebildet werden können.
- Völlig frei programmierbare Räume, die der Phantasie keine Grenzen setzen.
Als Lehrperson…
- …kann man bestehende
Räumezu neuenAbenteuernzusammensetzen oder bestehende Abenteuer nutzen. - …aus einem Abenteuer einen
Runfür eine Klasse oder einen Kurs erstellen. - …Lernende zu einem Run per Link einladen.
- …den Fortschritt der Lernenden auf einem Run in Echtzeit beobachten.
Als Lernende/r…
- …kann man einem Run beitreten, ohne Anmeldung, Download.
- …mit den Objekten eines Raumes interagieren (untersuchen, Code/Text eingeben, Datei hochladen, drücken/interagieren)
- …am Ende eines Abenteuers Räume bewerten.
Als Entwickler…
- …kann man neue Räume entwerfen und ausprobieren. Dabei muss man sich nur an die vorgegebene Schnittstelle halten.
Im Hintergrund eines Raumes kann alles passieren, was man sich nur vorstellen kann. Die Objekte eines Raumes können Behälter sein, oder NPCs. Bei einer Interaktion kann eine externe Schnittstelle Daten abfragen und benutzen. Oder man verknüpft eine KI und führt eine Unterhaltung. Man kann auch hochgeladene Dateien analysieren und dem Spieler ein Feedback geben. Die Referenzimplementierung ist in Python geschrieben. Solange man sich an die vorgegebene RESTful API hält, ist aber auch hier alles möglich.
So sieht’s aus#
Für Informatik-Lernende ist es wichtig, dass sie sich mit den Fach-Abteilungen über Prozesse und Lösungen unterhalten. Als gemeinsame Sprache dient Business Process Model and Notation (BPMN). Die Lernenden bekommen im Unterricht die Basics vermittelt. Vor der ersten schriftlichen Prüfung spiele ich mit Ihnen immer ein Abenteuer mit drei Räumen, in denen alle gelernten Fähigkeiten ausprobiert und vertieft werden können.
Zuerst erstelle ich einen Run für das entsprechende Abenteuer und den aktuellen Kurs.

Erstellen eines Runs.
Über den Einladungslink…

Einladungslink generieren.
…können die Lernenden am Run teilnehmen.

Einem Run beitreten.
Im Raum BPMN-Tempel müssen die Lernenden einen Roboter durch einen Tempel lotsen. Dabei muss der Roboter verschiedene Aufgaben lösen.

Gameplay
Das Besondere: Der Roboter versteht nur die BPMN Notation. Wir müssen also ein unvollständiges Diagramm herunterladen und mit einem Online-Editor korrekt ergänzen.

BPMN Diagramm im externen Editor
Erst wenn das Diagramm mit allen korrekten Verbindungen und Verzweigungen zum Roboter hochgeladen wurde, wird das nächste Rätsel aktiviert.
Der Micro Adventures Raum wertet die hochgeladenen Lösungen automatisch aus und gibt Feedback und Hilfestellungen.
Als Lehrperson kann ich mitverfolgen, wie weit die Lernenden im Abenteuer sind und bei Problemen aktiv Unterstützung anbieten.

Fortschritt der Lernenden beobachten
TLDR;? einfach mal selber ausprobieren: https://adventures.vonlangerhand.net
Feedback von Lernenden#
Spassiges und lehrreiches Lernsystem.
Man kann es besser verstehen mit den Aufgaben.
Es fühlt sich ein wenig wie ein Spiel an, deswegen macht es auch Spass.
Knifflige Aufgaben, die einen zum Nachdenken bringen.
Hervorragend für initiales Kennenlernen eines Themas oder zur Repetition geeignet.
Man möchte es wieder machen, weil es so mehr Spass macht zu lernen.
Ausblick#
Im Moment gibt es 14 Räume in Micro Adventures und fünf vorgefertigte Abenteuer. Bisher sind überwiegend Lernziele aus der Informatik abgebildet.
Das soll aber nicht so bleiben. Geplant ist, jeden Monat mindestens zwei neue Räume zu erschaffen. Dabei sind schon Räume im Bereich Allgemeinbildung, Gymivorbereitung und Logik in Vorbereitung.
Als Lehrperson kann man sich registrieren und einen kostenlosen Run mit seinen Lernenden ausprobieren. Danach bezahlt man für unbegrenzte Runs CHF 49.- für ein Semester.
Langfristig sollen mehr Entwickler an kreativen neuen Räumen arbeiten. Je nach Beliebtheit der Räume werden sie an den Lizenzeinnahmen beteiligt. Mit diesem Modell ist gewährleistet, dass immer wieder neue, spannende Rätsel entstehen.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wo die Reise hingeht und freue mich auf viele rätselnde und erleuchtete Gesichter.
Viel Spass auf Deinen Abenteuern,
Boris
Probier es aus: https://adventures.vonlangerhand.net
Ideen?: info@vonlangerhand.net
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Literatur#
- Beim Lösen von Rätseln wird Dopamin ausgeschüttet und fördert die Konsolidierung von Informationen ins Langzeitgedächtnis — Howard-Jones et al. (2011).
- Positive Emotionen (Freude, Neugier, Stolz) fördern die Gedächtniskodierung — Immordino-Yang & Damasio (2007).
- Spielerisch gestaltete Herausforderungen erzeugen ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und fördern die intrinsische Motivation — Deci & Ryan (2000).
- In eine Handlung eingebetteter Lernstoff (situated learning) ist effektiver als abstraktes Lernen — Lave & Wenger (1991).

